Herren 60 Heimspiel gegen Neustadt

Verfasst am 21 Mai 2017 von Thomas Altrock

Herren 60 Bezirksklasse 1. TSV Lichtenau vs. TC Neustadt 3:6

Eine herbe, so nicht erwartete Heimklatsche gab es für die Herren 60 gegen die ausgebuffte Seniorentruppe aus Neustadt/Aisch. Für Lichtenau war es eine kostenlose Lehrstunde, wie effektives Ü 60 Tennis aussieht, nämlich ruhig, unaufgeregt, sicher und unheimlich effizient.

Unser „Hörmän“ kreuzte auf 6 mit Rudi Schaffelhofer die Klingen. Der rundliche, gemütliche Gästeakteur hatte als einziger seiner Truppe eine sauber durchgezogene Rückhand und ein Auge vom allerfeinsten. Wie sich Hermann, der seit Jahren auf der Tour kein Einzel gespielt hatte, aus der Affäre zog, nötigte uns allen höchsten Respekt ab. Läuferisch gab er alles und seine Kämpferqualitäten sind sowieso über alle Kritik erhaben. Nachdem er einen Satz gebraucht hatte, um sich zu akklimatisieren, hätte er beim 5:7 in Satz 2 die Partie beinahe, aber leider eben nur beinahe, noch gedreht. Schade—es fehlte einfach die nötige Routine.

Eine weitere Niederlage gab es auf 4 für unseren Dieter. Dass ihm die schweißnassen Haare wirr vom Kopf standen, war ein Beleg für seinen hohen körperlichen Einsatz. Wie wir es von unserem Amtsleiter kennen, raste er einem Irrwisch gleich über den roten Sand und signalisierte mit lauten Ächzgeräuschen beim Service seinen unbedingten Einsatzwillen. Vielleicht überzog er dabei manchmal etwas, was zu Lasten der Lockerheit ging, die sein Gegenüber Klaus Koch im Übermaß besaß. Dieser war ein „Bringer“ von Gottes Gnaden, überließ Dieter den 1. Satz und schlug dann zurück. Im Supertiebreak siegte Cleverness gegen den jugendlichen Heißsporn.

Den ersten Punkt erspielte Leo Meier als Nummer 2. Beim 2:5 betrat sein persönlicher Mentalcoach Thomas den Platz. Leo erklärte ihm, er wolle eben sein Spiel durchziehen und Thomas wiederum erklärte ihm, dass er dann verlieren würde. Er solle sich auf seine Fähigkeit besinnen, sich dem Gegner anzupassen und zu spielen um zu gewinnen und nicht um stur die eigene Linie zu verfolgen. Leo tat wie ihm geheissen. Er wurde von Spiel zu Spiel gegen Hans Trapp, dessen Waffe eine eklig unterschnittene Rückhand war, immer sicherer. Ein ums andere Mal platzierte „Meierchen“ Hans geschickt aus und plötzlich besann sich dieser darauf, dass er ja an einer Schulterverletzung laborierte. Jeder Aufschlag und jede Vorhand malträtierte das empfindliche Glenohumeralgelenk, was Hans noch mit subtilen Massagehandgriffen desselben diskret unterstrich. Leo war das egal. Souverän entschied er Ballwechsel für Ballwechsel für sich und konnte so Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben gewinnen.

Dies blieb unserem Fritz verwehrt. Er musste in die ungewohnte Rolle des „Youngsters“ schlüpfen, war sein Widerpart Richard Fleischmann doch schon stolze 77 Jahre alt. Aber wie schon Konfuzius sagte: „ Alter schützt vor Klasse nicht ! „ Wie Richard Fritz rumpeln ließ und selbst die Übersicht behielt war ganz einfach gut. Brauchte er Zeit, löffelte er ein paar Mondbälle übers Netz, sein Antritt über 2-3 Meter war erstaunlich und Ruhe und Übersicht kamen noch dazu. Trotzdem hatte es Fritz auf der Pfanne, denn mit seiner Agilität und seinem Tempo erspielte er sich zwangsläufig Vorteile, die er dann extrem sicher zu einem unforced error nutzte. Er hätte sich am liebsten selbst in den Allerwertesten gebissen, seine unterdrückten Flüche waren für das geübte Ohr des Mannschaftsführers trotzdem zu hören und Richard ließ sich nach getaner Arbeit sein verdientes Bier, wie es sich für ältere Herren geziemt, natürlich angewärmt, schmecken.

Auch Ali bekam seine Grenzen aufgezeigt. Seine fast schon unheimliche Matchbilanz der letzten Jahre bekam ihren Knick gegen Emil Gressel. Dessen blitzsaubere Technik gepaart mit exzellenter Übersicht war für Ali diesmal eine Nummer zu gross. Dazu kamen seine bekannten hitzebedingten Schwierigkeiten. Hierdurch fehlte ihm in vielen Situationen die letzte Spitzigkeit, die ihn sonst so auszeichnet. Zwar erlief er gewohnt antrittsschnell viele kurze Bälle, verschlug dann aber ins Netz oder ins Aus anstatt wie sonst unerreichbar zu punkten. Mit wachsender Spieldauer setzte er immer öfter statt mit der Rückhand zum Verzweiflungsschlag mit der linken Klebe an, was Emil zu humorlosen Punktgewinnen nutzte. Es handelte sich dabei übrigens um die frühere Nummer 1 der Gäste, was Ali trösten dürfte. Gegen einen Klassemann zu verlieren gehört einfach zum Sport dazu.

Ein wenig Hoffnung verblieb durch den Erfolg von Thomas im Spitzeneinzel. Gegen Dieter Langs, einen laufstarken Defensivspezialisten, suchte er von Anfang an sein Heil im Angriff. Bereits nach kurzer Zeit hatte er, noch das Zitat von Igor Sticha („sie trifft einfach den Platz nicht“) in den Ohren, zwei Überkopfbälle aus kürzester Distanz sicher im Netz versenkt. Ein ebenso befreiender wie finanziell schmerzender Schlägerwurf mit anschließendem Fußtritt gegen das unschuldige Spielgerät, brachte dann die Wende. Immer dominierender legte er sich Dieter zurecht um dann aus dem Halbfeld unerreichbar zu verwandeln. Ob deshalb oder aufgrund seines läuferischen Engagements Dieters Achillessehnenbeschwerden erneut aufbrachen sei dahingestellt, jedenfalls reichte dieser beim 0:3 in Satz 2 Thomas zum „ walk over“ die Hand.

Vom Mannschaftsführer mit flammenden Worte ( Zitat: „denkt daran, was unsere Bayernliga 50 Damen vor 2 Wochen geschafft haben“ (sie hatten ein 2:4 in ein 5:4 umgebogen)) auf die Doppel eingeschworen gingen die Lichtenauer hoffnungsfroh ans Werk.

Thomas und Fritz kamen wie ein Tornado über die bedauernswerten Klaus und Dieter. Nur im allerletzten Spiel gestatteten sie ihnen 3 Spielbälle, aber nach Abwehr derselben konnten sich die Gäste die verabfolgte Brille aufsetzen.

Leider verschliefen Ali und Dieter den 1. Durchgang komplett. Es reichte lediglich dazu, beim 0:5 das drohende kostenpflichtige 0:6 abzuwenden, aber damit hatten sie anscheinend ihre kompletten mentalen Ressourcen verbraucht, denn trotz Hinweisen der anwesenden Ü 50 Bayernligaspielerinnen gestatteten sich die beiden den Luxus beim Stand von 4:2 die Seiten zu wechseln und den Gegnern generös ein nicht gewonnenes Spiel zum 4:3 anzurechnen. Inwieweit dies den Endstand von 4:6 entscheidend beeinflusste wird vielleicht noch lange Stoff zur Diskussion liefern, aber es bringt nichts nachzukarteln. Wie heißt es so schön: „ Verluurn is verluurn."

Leider schafften es auch Leo und Hermann nicht ihr Doppel nach Hause zu bringen. Höhepunkt war eine hitzige verbale Auseinandersetzung von Leo mit seinen Kontrahenten, die aber ebenso schnell wie sie aufflammte wieder beigelegt war. Ansonsten machten die beiden Lichtenauer, die so auch nicht nicht zusammengespielt hatten, ihre Sache ordentlich und mit etwas mehr Glück wäre auch ein Doppeltriumph möglich gewesen.

Die Enttäuschung über das 3:6 hielt nicht lange an, denn das Saisonziel lautet lediglich immer sechs mehr oder weniger fitte Akteure auf den Platz zu stellen. Dieses war auch am Samstag wieder gelungen und auch in Möhrendorf wird Lichtenau wieder in voller Mannschaftsstärke um den 1. Saisonsieg kämpfen.

Die Ergebnisse:

Einzel:

Altrock/Langs 6:3/3:0 w.o.
Meier/Trapp 7:6/6:2
Ahmadpur/Gressel 4:6/3:6
Mohr/Koch 6:4/4:6/3:10
Fersterra/Fleischmann 3:6/3:6
Strössner/Schaffelhofer 3:6/5:7

Doppel:

Altrock/Fersterra-Lang/Koch 6:0/6:0
Mohr/Ahmadpur-Trapp/Schaffelhofer 1:6/4:6
Meier/Strössner-Gressel/Billmann 4:6/5:7

Leo mit Damen

 

So mag es unser Leo--ein Einzelsieg und danach "Hahn im Korb"

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