Herren 60 Auswärtsspiel in Möhrendorf

Verfasst am 28 Mai 2017 von Thomas Altrock

Herren 60 Bezirksklasse 1 ASV Möhrendorf vs. TSV Lichtenau. 1:8

Im Duell der beiden Kellerkinder der Bezirksklasse 1 fuhren die Lichtenauer mit einem in dieser Höhe nicht erwarteten 8:1 Sieg wieder nach Hause, wobei der Triumph bei Weitem nicht so einfach zustande kam, wie es das Ergebnis vermuten lässt.
Bei herrlichstem Sommerwetter nahm der Tag um 10.45 Uhr bei der Abreise am Lichtenau Festplatz schon einen guten Anfang (siehe Bild). Unser Verpflegungswart Ali hat sein Catering inzwischen perfektioniert. Im transatlantikfähigen wiederverschliessbarem Zip-Beutel wurde jedem Mannschaftskameraden eine Auswahl athletentauglicher Nahrungsmittel ausgehändigt. Im Einzelnen seien ein Vitamintrunk, 3 bissfeste kleine Aprikosen, 2 Balistoriegel und ein „Schokomonster“ Puddingtrunk im Quetschbeutel genannt. Was sollte bei so einer Vorbereitung noch schief gehen ? Naja, vielleicht die Anreise. Thomas gab ein kurzes Statement ab, wie ihm der Möhrendorfer Mannschaftsführer am Telefon die Route angewiesen hatte, aber unter Verweis auf sein hochteueres Navigationsgerät, das er entsprechend programmiert habe, nahm Dieter selbstbewußt hinter dem Steuer seines edlen BMW Platz. Bis zur Überquerung des Kanals in Möhrendorf klappte alles vorzüglich, ehe Dieter, die verbalen Hinweise seines Kapitäns ignorierend, nach links auf einen schmalen staubigen Feldweg einbog, der zum einen für eine Verschmutzung der Autos (Fritzens Gejammere im 2. Wagen hättet ihr hören sollen) und zum anderen für Stillstand an einer Schranke sorgte. Auch ein zweiter Abstecher brachte uns dem Ziel nicht wesentlich näher und erst nachdem sich Fritz an die Spitze des Konvois setzte (ein kleiner Schwenk über eine Parkbucht war nötig um Dieter zu erlauben Anschluß zu halten) kamen wir pünktlich um „high noon“ auf der Möhrendorfer Anlage an. Eine angedachte Strafzahlung lehnte Dieter so vehement ab, dass eine Herzattacke nicht unwahrscheinlich schien, weshalb Thomas aus medizinischer Fürsorge dieses Thema nicht weiter vertiefte.

Dort ging es sofort in die Vollen.

Schlurf hatte es mit Dieter Geiger zu tun und nahm seine Aufgabe gewohnt elanvoll in Angriff. Wie er sich an die Grundlinie schleppte, ließ das Schlimmste befürchten, aber zum Glück ist er mit einem Händchen gesegnet, das in der Tennisszene seinesgleichen sucht. Sein angeschnittener Aufschlag und seine unnachahmlich unterschnittene Vorhand können jeden Spieler an den Rand des Wahnsinns bringen. Und bei Dieter war es schnell so weit. Unter Hadern und Schimpfen verklopfte er Ball um Ball, was unseren Günter noch ruhiger machte. Fast musste man befürchten, er würde trotz der Hitze einfrieren, so cool ging er zu Werke. Einzig ein auf dem Boden liegender Schläger (Ali ist mein Zeuge) ließ so etwas wie Emotion erahnen, wurde aber vom Herrn Richter mit „schweißnasser Hand“ beim Aufschlag begründet. Unter Zitieren multipler juristischer Fachbegriffe verweigerte er die an sich fällige Strafzahlung, was ihm sein Kapitän aber nur durchgehen ließ, weil er zum Saisonende ( Dieter ist mein Zeuge) ein 15 Liter Faß Bier in Aussicht stellte. 6:3 und 6:4 fieselte Schlurf den Möhrendorfer ab, und seine Mannschaftskameraden waren einhellig der Meinung, dass Thomas, wenn sich Günter einer sportlicheren Lebensweise ( Trainingseifer, Verzicht auf Zigarren und Whisky) befleissigen würde, um seinen Status als Nummer 1 ernsthaft bangen müsste.
Dieter, wahrscheinlich noch von seiner Irrfahrt mental beeinträchtigt, musste gegen Harry Plank ran, einen alten Routinier, der sich darauf beschränkte, Dieters Fehler abzuwarten. Erst ein Schlägerwechsel und der Rat von Thomas die Vorhand konsequenter zu ziehen und mitzuspielen um seine unbestreitbaren konditionellen Vorteile auszuspielen brachte die Wende. 2:1 ging Dieter in Führung, ehe ihn sein Körper (übrigens erstmalig in seiner Karriere) stoppte. Er schilderte ein „Knacken“ in der distalen rechten Wade und musste unter der Verdachtsdiagnose eines Muskelfaserrisses sein Match aufgeben. Dick bandagiert durfte er sich in der Folgezeit, übrigens sehr erfolgreich, als Coach betätigen.
Leo legte auf Platz 2 gegen Horst Hanneforth los wie die Feuerwehr. Von Anfang an attackierte er mit brutalen Returns den Aufschlag seines Gegenüber und alles sah nach einem lockeren Sieg aus. Die 2 Spiele, die er Horst gestattete schienen nicht mehr als ein Schönheitsfehler zu sein. Beim 5:2 im 2. Durchgang kalkulierten seine Mitstreiter schon mit einem weiteren Einzelsieg, ehe sich Horst auf seine Ehre besann. Ein ums andere Mal packte er jetzt eine unerreichbare Rückhand auf und Leo begann zu wackeln. Aber unser Koloss wankte zwar, er fiel aber nicht. Unter heftigem vor sich hin mosern fand er wieder zu vorheriger Stärke zurück und brachte sein Match doch noch nach Hause.
Kurzen Prozess machte Fritz mit Helmut Zwerger. ich weiß nicht im wievielten Tennisfrühling sich unser Vorstand befindet, sicher ist nur, dass er von Sieg zu Sieg eilt. Lohn seiner nahezu fehlerfreien Performance war dann die Aussage seines als Edelfan angereisten Bruders Hermann, einem ausgewiesenen Kenner der Tennisszene in Lichtenau,: „ Du hast im Doppel besser gespielt als im Einzel !“, worauf Fritz ihn etwas pikiert anraunzte: Was soll ich denn noch mehr als 6:3/6:0 zu gewinnen ?“ So sieht eben echte Bruderliebe aus.
Ali trat gegen Günther Skalla an, der mit einem Teilhüftgelenksersatz ausgestattet war, was seinen Bewegungsablauf etwas gewöhnungsbedürftig machte. Trotzdem ging er ruck-zuck mit 4:0 in Front. Jetzt schlug Dieters grosse Stunde. Trotz pochender Wadenschmerzen „eilte“ er zum Ort des Geschehens und gab Ali den notwendigen psychischen Rückhalt und die nötigen Tipps zur Spielgestaltung. Unser iranischer Freund zeigte einmal mehr, welch grosses Kämpferherz er hat. Obwohl ihn sein Gegner bat, sich bezüglich seines bekannten Schlachtrufes doch etwas zu mäßigen, und er fortan still in sich hinein jubeln musste, gewann er mehr und mehr die Kontrolle über das Match und obsiegte glatt in 2 Sätzen.
Thomas hatte die ganz besondere Möglichkeit, seiner an internationalen Höhepunkten reichen (Doppelsieg mit Rudi über einen Japaner) Tennisvita ein weiteres Highlight aufzusetzen—den Sieg über einen Finnen ! Dass diese Volksgruppe in den nordischen Skidisziplinen zu brillieren weiß, ist gemeinhin bekannt. Dass einzelne Vertreter dieser Wikinger Nachkommen aber auch das Tennisracket schwingen können, wurde gestern in Möhrendorf eindrucksvoll demonstriert . Der sympathische Matti Noura erinnerte Thomas vom Aspekt an seinen früheren Petersauracher Kontrahenten Heinz Käding, gegen den er eine nach wie vor schmerzhafte Niederlage als schwarzen Fleck in seiner Karriere zu Buche stehen hat. Jetzt war die Gelegenheit da. Der optisch ähnliche Matti sollte seine Rache zu spüren bekommen und bis zum 6:0/1:0 gelang diese eindrucksvoll. 2 Spielgewinne für den Finnen—na und, da lege ich eben einen Zahn zu und gehe 5:2 in Front. Dann aber kam, wie schon beim Match von Leo, das grosse Zittern. Die bis dahin bestechende Vorhand flog mehrfach ins Netz und Matti, mit dem starken Willen seiner Ahnen ausgestattet punktete immer wieder. Beim 5:5 forderte Leo von Thomas unmißverständlich „Konzentration“ ein und folgsam wie unser Mannschaftsführer eben ist, tat er dergleichen und nutzte gleich den 1. Matchball.

Mit dem 5:1 im Rücken hätte man die Doppel an sich locker angehen können, dass aber so ein hartes Stück Arbeit auf die Kämpen aus Lichtenau warten würde, hatte keiner erwartet.

Im Einserdoppel, wieder mit Fritz und Thomas bestückt, tauchte überraschend Werner van der Heyd auf, ein Doppelspieler vor dem Herrn, dessen Einzeleinsatz nur ein vor kurzer Zeit abgelaufenes paroxysmales (= anfallsweises) Vorhofflimmern mit einer Pulsfrequenz von über 200 verhindert hatte. Nach ausführlicher Beratung von Thomas über die Behandlungsmöglichkeiten war er so beruhigt, dass er diesem und Fritz vor allem mit seiner vorbildlichen Rückhand und einer eklig unterschnittenen Vorhand die Bälle nur so um die Ohren schoß. Dazu punktete Matti fleißig am Netz und beim Spielball zum 1:5 musste der eben frisch aus der Dusche kommende Dieter auch nach der Aussage von Thomas: „ Die hauen uns weg!“ das Schlimmste befürchten. Erst als die beiden Lichtenauer sich bis zum 5:5 heran gekämpft hatten, erkannten sie, dass die Aufgabe doch nicht aussichtslos war. Über 5:7 und 6:3 (ein toller serve and volley Satzball von Thomas) ging es in den Matchtiebreak. Hier gelang es das „Gespenst von Gunzenhausen“ erfolgreich aus dem Hinterkopf zu verbannen. Zwar produzierte Thomas zwei elende Returnfehler aber Fritz hämmerte ihm monoton das Mantra;:“Punkt für Punkt“ ein und die logische Folge war ein 10:4.
Da wollten sich Ali und Schlurf nich lumpen lassen. Nach dem Motto: „Was ihr könnt können wir schon lange“ verloren sie im Gleichschritt Satz eins mit 5:7. Danach drehten sie noch mehr auf, als ihre Mannschaftskameraden und gaben nur 2 Spiele in Satz zwei ab. Auch sie beendeten den Matchtiebreak nach cleverem Vorbereitungsball von Ali und gekonntem Vorhandabschluß von Günter mit 10:4.
Am längsten brauchten, obwohl sie nur 2 Sätze spielten, Leo und Hermann. Sie mussten sich schon im ersten Durchgang durch einen Tiebreak quälen, den sie nervenstark für sich entschieden. Als dann ihr gesamtes restliches Team zum Zuschauen beim 3:4 am Court erschien, blühten sie erst richtig auf. Hermann mit Leos Sicherheit im Hintergrund und Leo, mit der Gewissheit, dass Hermann mit seiner Vorhand kaum Fehler macht, harmonierten prächtig. Strössi brachte souverän sein Service durch, die Möhrendorfer verloren ihres bei Aufschlag gegen die Sonne und Leo, der dieses Handicap mit einer schicken Baseballkappe kompensierte, hämmerte anschließend 2 Überkopfbälle so ins Feld, das dort im übertragenen Sinne kein Gras mehr wuchs. Sein finales As zum Match akzeptierten zwar die Möhrendorfer, nicht aber sein Mannschaftsführer, der, als Oberschiedsrichter dazu gezwungen, den Ball „Aus“ gab. Inbrünstig hoffte er danach, es möge nichts mehr schief gehen, denn im günstigsten Fall wäre er dann wohl zu Fuß nach Lichtenau heimgelaufen. Leo ließ sich aber nicht irritieren und machte 2 Ballwechsel später den Sack endgültig zu.
Bei der Grillparty mit dunklem Bier aus der fränkischen Schweiz, vom zu lobenden Schwiegersohn des Möhrendorfer Mannschaftsführers perfekt kredenzt, klang in geselliger Runde ein schöner Tennistag aus. Sicher trifft man sich im nächsten Jahr in Lichtenau wieder.

Ergebnisse:

Einzel:

Nuora-Altrock 0:6/5:7
Hanneforth-Meier 2:6/5:7
Skalla-Ahmadpur 4:6/4:6
Plank-Mohr 6:1/1:2 w.o.
Zwerger-Fersterra 3:6/0:6
Geiger-Förster 3:6/4:6

Doppel:

Nuora/Werner-Altrock/Fersterra 7:5/3:6/4:10
Plank/Geiger-Ahmadpur/Förster 7:5/2:6/4:10
Skalla/Kupfer-Meier/Strössner 6:7/4:6

Herren 60 Verpflegung kleinMan beachte die üppigen Verpflegungsbeutel--Ali sei Dank

Herren 60 Abfahrt

 Vor dem grandiosen Auswärtstriumph

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