Herren 60 Auswärtsspiel in Sachsen
Verfasst am 9 Jul 2017 von Thomas Altrock
Herren 60 Bezirksklasse. 1.FC Sachsen vs. TSV Lichtenau 8:1
Zum Auswärtsspiel mit der kürzesten Anreise machten sich die Herren 60 des TSV Lichtenau am 08.07.2017 nach Sachsen auf den Weg. Im Gegensatz zu den meisten seiner Mannschaftskameraden, die trotz der Gefahr der Einnahme alkoholischer Getränke nach den Spielen auf 2 Rädern angereist waren, bevorzugte Leo Meier die vierrädrige Variante mit Verbrennungsmotor, was ihm prompt eine Verspätung und die erste Strafzahlung des Tages einbrachte. Außerdem versäumte er die prekärste Situation des Tages, denn als die Lichtenauer die Anlage betraten, fanden sie ihre Kontrahenten in heller Aufregung vor. Während Hans Reif rücklings auf dem Boden lag, den Kopf in einem Küchenschränkchen platziert, rüttelten mehrere Sachsener verzweifelt an der darüber befindlichen Schublade, in der sich ein Messer scheinbar irreversibel verklemmt hatte und somit die geplante Einspeisung nach den Matches zu verhindern drohte. Da die Gäste mit wenigen sportlichen Erwartungen aber dafür mit grossem Appetit angereist waren, lag spontane Nachbarschaftshilfe auch in ihrem ureigensten Interesse. Unser Amtsleiter Dieter Mohr, in Fachkreisen auch als durchaus versierter Handwerker bekannt, analysierte die Situation kurz, Hermann Kapfer besorgte nach mehreren Versuchen das nach intensiven Beratungen für geeignet erachtete Werkzeug und unterstützt von 2 Handytaschenlampen löste Dieter seine handwerkliche Aufgabe im Gegensatz zu seiner sportlichen (dazu später mehr) mit Bravour.
Nach warmen Begrüssungsworten des Mannschaftsführers Uli Fischer war schon eine Harmonie entstanden, die im sportlich angespannten Konkurrenzdenken zwischen Lichtenau und Sachsen nicht für möglich gehalten worden war.
Entsprechend problemlos gingen alle Partien über die Bühne, denn alle Akteure hielten sich konsequent an die Regeln des Fair Play.
Auf Position 6 musste unser Hermann ein Einzel gegen den hochsympathischen glühenden BVB Fan und BVB Aktienbesitzer Hans Reif bestreiten. Trotz eines keck vorspringenden Bäuchleins und einer beeindruckenden Oberschenkelbandage rechts war Hans von Anfang an überlegen. Hermann wehrte sich nach Kräften, erreichte häufig Spielstände über Einstand, aber in 90 Prozent der Fälle machte Hans den Punkt. Besonders weh tat Strössi die Topspinvorhand, die von Schlag zu Schlag immer höher nach hinten wegsprang, bis Hermann trotz enormer Sprungkraft irgendwann ganz einfach den Schläger nicht mehr hoch genug brachte. Nur 1 Spielgewinn war dem Gast aus Lichtenau vergönnt. Ein klassischer Fall von: „unter Wert geschlagen“.
Besser lief es zunächst im Duell der beiden höchstrangigen Beamten auf dem Court. Unser Dieter bot Bürgermeister Hilmar Müller lange Zeit Paroli und lag zu Beginn der Partie längere Phasen in Front. Aber Hilmar packte seine ganze Routine aus, schlug ordentlich auf und als Linkshänder hatte er per se schon einen kleinen Vorteil. Bis zum Schluß wogte der Kampf hin und her und aufgrund der etwas höheren Fehlerquote musste sich Dieter knapp geschlagen geben.
Leo Meier kreuzte mit seinem Kumpel Friedl Hermann, der Leo schon länger als seine Ehefrau kennt, die Klingen. Friedl zeigte dabei cleveres Tennis, wie es in höheren Spielklassen zelebriert wird, denn als frischgebackener Aufsteiger in die Herren 55 Bayernliga, war er seinem Anhang einen klaren Sieg schuldig. Er spielte jeden Ball konzentriert, ruhig und mit Übersicht ins Feld und ließ sich von allen Versuchen Leos ins Spiel zu kommen, nicht beeindrucken und so wurde der Platz schnell frei, damit sich auch Thomas seine Lehrstunde abholen konnte.
Gegen den erfahrenen Turnierspieler Hermann Kapfer, 7 !! Leistungsklassen höher eingestuft, ging es nur darum sich nicht sang- und klanglos vom Platz schiessen zu lassen. Leider kostete es Thomas den kompletten 1. Satz um sich auf Hermanns Spielweise einzustellen. Der Meister der Defensive erlief jeden Ball, konterte Angriffe mit präzisen Passierbällen und hatte einen Slice oder Stopp, der sich förmlich in den Sand grub. Das 0:6 wollte die Lichtenau Nummer 1 nicht einfach auf sich sitzen lassen. Bis zur 3:0 Führung packte er sein bestes Tennis aus, Hermann durchlief eine kurze Phase der Unkonzentriertheit, dann aber besann er sich auf seine Routine und holte sich ein 6:4.
Um unseren Ali war es leider schnell geschehen. Bis in die Haarspitzen motiviert und auf Kampf bis zum Umfallen programmiert, legte er gegen Uli Fischer los, als ob es kein Morgen gäbe. Leider nahm er das mit dem Umfallen etwas zu wörtlich, denn wie wir alle wissen ist Hitze nicht Alis Ding. Auch Betreuer Eddi musste hilflos mit ansehen, wie seinem Mannschaftskameraden die Lebensgeister zusehends entwichen. Kurz darauf war das Spiel vorbei und Ali wurde von unseren Sachsener Freunden liebevoll umsorgt. Auf einer Bank in der schattigen Hütte mit einer Kühlbox zur Beinhochlagerung und einer Dose Red Bull, die ihm zwar keine Flügel aber wieder einen minimalen Kreislauf bescherte, konnte er sich von seinem Hitzekollaps erholen. Auf eigenen Wunsch wurde er danach von seinem Doppelmatch entbunden.
Fehlt noch das Match von Fritz, der es mit unserem „Little“ zu tun bekam, dessen Spielweise und gelegentlich selektive Sicht auf die Spielfeldbegrenzungen uns allen aus vielen gemeinsamen Wintern, die wir zusammen in der Halle spielen, bekannt ist. Beide Akteure schenkten sich nichts. Fritz, als Linkshänder dazu prädestiniert, hielt Rainer nach Möglichkeit auf der Rückhand und versuchte ihn zum Laufen zu bringen, was seit einigen Jahren nicht mehr Rainers Lieblingstätigkeit ist, trotzdem holte sich der Sachsener Satz eins. Fritz, zäh wie Schuhleder, ließ sich nicht lange bitten und glich in einem unerbittlichen Fight aus. Der ungeliebte Matchtiebreak sollte entscheiden. Fritz setzte sich, um kurze Erholung bemüht, während „Little“ wie ein nervöses Rennpferd schon zum Aufschlag bereitstand, frei nach dem Motto: „Na so passt`s !“ Auch der Matchtiebreak blieb eng. In einer Szene drohte Eskalation, als Rainer einen Linienball von Fritz sich inbrünstig ins Aus wünschte und diesen Wunsch auch verbal kommunizierte. Zunächst zeigte er sich auf Proteste von Fritz hartleibig, sein Urteil zu revidieren, aber als Fritz kurz die Contenance verlierend mit den Worten: „Ich bin ja ein friedliebender Bürger, aber dass ist zu viel !“ ans Netz stürmte und auch Hans Reif von außen den Ball zugunsten von Fritz bestätigte ruderte er zurück. In einem letzten verzweifelten Versuch bot er Fritz : „2 Neue“ an um sich dann zwar einen Flunsch ziehend eines Besseren zu belehren und das Match mit Punkt Fersterra fortzusetzen. Vielleicht war diese kurze mentale Fehlbelastung ausschlaggebend, denn Fritz verlor einen Moment seine Linie, gestatte Rainer seine Vorhand einzusetzen und die ist immer noch eine gnadenlose Waffe. Mit 10:6 hatte er dann die Nase vorn.
In den Doppeln galt es nun, wenigstens den Ehrenpunkt zu ergattern.
Dieter und Leo hatten die undankbare Aufgabe gegen Hermann und Friedl, überraschten diese beiden aber mit einem forschen Auftritt und einer Führung, die erst beim 4:4 ausgeglichen wurde. Dann war es leider aus mit der Pracht und Sachsen gewann 8 Spiele in Folge.
Den Punkt sicherten Thomas und Fritz. Das 3:6 betrachteten Uli und Hans noch als Ausrutscher und kommentierten dies auch beim Seitenwechsel mit den Worten, sie hätten doch noch nie einen Satz verloren. Beim 0:5 wenig später, war es dann aber Schluß mit lustig. Eine solche Klatsche wollten sie nicht einstecken und drehten plötzlich auf. Die Gäste mussten erleben, wie ihr Vorsprung Punkt um Punkt schmolz und nachdem sie 3 Matchbälle nicht verwerten konnten stand die Partie beim 4:5 auf der Kippe. Aber die zwei Haudegen schworen sich noch einmal auf Sieg in und machten mit dem 6. Punkt alles klar.
Schade, dass es Hermann an der Seite von Eddi, der nach Oberarmfraktur links ein glorioses Saisoncomeback ( böse Zungen behaupten sein Mannschaftsführer habe ihn nur wegen der läppischen 15 Euro Einstandszahlung eingesetzt) feierte, nicht vergönnt war, noch einen Sieg einzufahren. Edgar war keinerlei Trainingsrückstand anzumerken, er spielte mutig auf Angriff und gepaart mit Hermanns ruhigem und überlegtem Crossspiel setzten sie Rainer und Hilmar gewaltig unter Druck. Auch hier ging es in den Matchtiebreak und beim 8:5 machten die Teamkameraden der der beiden Lichtenauer schon gedanklich eine Flasche Sekt auf. Aber plötzlich jagte Hilmar einen Rückhandretourn vom Feinsten übers Netz, zwei drei kleine Konzentrationsschwächen und wieder hatte „Little“ einen Supertiebreak gewonnen. Mit markigen Worten ließ er später wissen, dass er eben solche Tiebreaks quasi immer gewinne, aber Klappern gehört zum Handwerk, das haben wir Lichtenauer mindestens genau so gut drauf.
Zum Abendessen gab es von den Spielerfrauen zubereiteten Schweinebraten mit Klößen, köstliche Salate und reichlich Bier, noch getoppt von einem hochteuren Marillenbrand von Hermann Kapfer, von dem leider nur ein halbes Fläschchen zur Verfügung stand. Der daran anschließend ausgeschenkte an Brennspiritus erinnernde Schnaps, fand bei Weitem nicht den gleichen reisenden Absatz.
Zum Schluß saßen alle Akteure in entspannter Runde zusammen, als Snack reichte der Mannschaftsführer der ebenfalls erfolgreichen 40er Mannschaft des FC Sachsen noch von ihm selbst liebevoll gegrillte Bratwürste und beide Teams hielten ein erneutes Treffen für wünschenswert, wogen leider die sich diametral entwickelnde sportliche Leistung spricht.
Wir danken an dieser Stelle allen Freunden aus Sachsen für einen schönen Samstagnachmittag bei tollem Wetter und versprechen vollen Einsatz gegen Puschendorf. Das ausgelobte 30er Fässchen sehen wir allerdings nicht als Erfolgshonorar nach den Matches, sondern als zwingend bereits zu Spielbeginn um unsere Motivation nicht erlahmen zu lassen.
Ergebnisse:
Einzel:
Kapfer-Altrock 6:0/6:4
Hermann-Meier 6:3/6:0
Fischer-Ahmadpur 6:3/6:0
Müller-Mohr 6:4/6:3
Klein-Fersterra 6:4/5:7/10:6
Reif-Strössner 6:1/6:0
Doppel:
Kapfer/Hermann-Meier/Mohr 6:4/6:0
Fischer/Reif-Altrock/Fersterra 3:6/4:6
Müller/Klein-Heyder/Strössner 6:4/5:7/11:9

Das ist Seniorentennis--Spass und gute Laune sind wichtiger als Sieg und Punkte.
Hans und Leo demonstrieren das hier zwanglos