Auswärtsspiel in Ochenbruck

Verfasst am 27 Jun 2020 von Thomas Altrock

Herren 60 Bezirksklasse 1 TSV Ochenbruck : TSV Lichtenau 6 : 3

Durch den verdienten Heimsieg hochmotiviert bestiegen die Herren 60 des TSV Lichtenau ihre zwei schweren SUV`s und reisten ins gut 30 Minuten entfernte Ochenbruck.
Das Ziel: Den Tabellenführer zu stürzen.
Mannschaftsführer Thomas hatte seine Truppe diesbezüglich eingeschworen, Einzel- und Doppeltaktik fein auf den Gegner abgestimmt und auch ernährungstechnisch nichts dem Zufall überlassen. Sein kongenialer Partner war dabei Ali, der die Bordverpflegung nach neuesten medizinischen Erkenntnissen zusammengestellt hatte. Zarte Möhrchen für das Augenlicht, Gürkchen zur Glättung der Gesichtsfalten nach dem Match, Hanuta mit wertvollen Nüssen, Oreo Plätzchen für den schnellen Glukoseschub sowie eine Auswahl an fein auf den Organismus abgestellten Getränken.
Aber was nützt eine perfekte Vorplanung, wenn der Gegner mit perfiden Tricks, Mauscheleien und raffinierten Ränkespielen Sand ins Getriebe schüttet.
Die Lichtenauer waren wie immer überpünktlich angereist, die innere Uhr der Spieler auf den Positionen 2,4 und 6 war auf scharf 14.00 programmiert, so dass Körper und Geist exakt um diese Zeit bereit gewesen wären, Höchstleistungen abzurufen.
Doch die Gäste hatten die Rechnung ohne die Gastgeber gemacht.
Wie aus dem Nichts, tauchten wenige Minuten vor dem geplanten Matchbeginn acht adrett gekleidete Damen auf, vom Outfit her lag die Vermutung nahe, es handle sich um Golferinnen. Sie gaben sich jedoch dreist als angebliche Tennisspielerinnen aus und behaupteten mit unerhörter Chuzpe ihre Matches seien um 14.00 anberaumt. So wurden unserem Leo und Radi mit gehöriger Verspätung zwei Plätze zugewiesen, auf dem dritten machten sich besagte Damen breit, was allerdings nur im übertragenen Sinn zu verstehen ist.
Doch wer gedacht hätte, es ginge jetzt los, sah sich ein weiteres Mal getäuscht. Auf ein geheimes Zeichen des frisch installierten Mannschaftsführers Helmut wurde nun plötzlich nach dessen Frau gesucht. Diese solle die zuhause vergessenen Bälle holen. Derweil ließ die mentale Spannung von Leo und Radi zunehmend nach und das darob zufriedenen Grinsen ihrer Gegenspieler stellte selbst die strahlende Nachmittagssonne in den Schatten. Helmuts Frau brauchte erhebliche Zeit um die Bälle heranzuschaffen, wobei Insider gesehen haben wollen, dass sie diese nur aus einem vorher angelegten Versteck holte ohne sich sonderlich zu beeilen.
Und dann zahlte sich die geballte Unverfrorenheit der Gastgeber noch in Punkten aus.
Radi, im unteren Drehzahlbereich angelangt, lag gegen Robert Comatas ratz-fatz mit 0:3 im Hintertreffen. Je besser er auf Touren kam, umso besser bot er allerdings Paroli. Seine Sternstunde hätte ein Satzball beim 5:4 sein können, den er allerdings mit Vehemenz aus circa 1 Meter Entfernung ins Netz hämmerte. Nach dieser Einladung ließ sich Robert nicht zweimal bitten. Er holte sich den Satz und ärgerte Radi permanent mit einer brutal scharfen, unterschnittenen Vorhand, die man immer nur zurückspielen konnte ohne selbst Druck zu machen. Irgendwann war Reinhold dann ausplatziert und wie sehr er sich bei brütender Hitze auch anstrengte, auch Satz zwei ging nach Ochenbruck.
Leo war diesmal selbst an seiner Zweisatzniederlage nicht ganz unschuldig. Zugegeben, Helmut Enser verstand sein Handwerk. Eine druckvolle Vorhand gepaart mit einer sicheren Rückhand sowie grosses taktisches Geschick muß man ihm neidlos attestieren. Allerdings überpowerte Leo immer wieder, zeigte eine für seine Verhältnisse ungewohnte Fehlerquote und während der Seitenwechsel verlegte er sich anstatt sich zu fokussieren darauf mit Helmut Stammtischparolen auszutauschen. Vom Betrug am Rentenzahler war die Rede, von ungerechtfertigten Abzügen und der Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen. Helmut diskutierte eifrig mit ohne zwischendurch das Tennisspiel zu vernachlässigen und gewann den 2. Punkt für sein Team.
Ein kurzer Lichtblick war das Königseinzel in dem Thomas dem tapferen Uwe Danner keinen einzigen Ansatzpunkt für Punktgewinne gab. Ihm gelang ein nahezu makelloses Tennismatch und durch seinen klaren Sieg keimte bei Lichtenau Hoffnung auf.
Diese winzige Flamme erlosch spätestens als unser Fritz, der sich wie praktisch immer am längsten von allen Lichtenauern im Einzel abplagte, nicht für sein Engagement belohnt wurde. Nach Sieg in Durchgang eins scheiterte er in Satz zwei unglücklich im Tiebreak. Im langen Matchtiebreak gingen ihm dann sukzessive die Körner aus. Ausgelaugt von einer hohen mentalen Anstrengung und einer Laufleistung, die uns allen aufgrund seines Lebensalters Respekt abnötigte, verlor er auch den verkürzten 3. Satz, bat danach um Dispens bezüglich eines Doppeleinsatzes und versuchte nach einer kühlen Dusche seinen Frust mit Hilfe des bewährten Seelentrösters aus der Brauerei zu vergessen.
So musste er auch nicht mit ansehen, wie zwei seiner Mannschaftskameraden gnadenlos abgefieselt wurden. Prof. Dr. Heinen, als Endokrinologe mit den hormonellen Wallungen der Menschen wohlvertraut, brachte auch die von Dieter in Selbige, ohne dass es diesem etwas genützt hätte. Wie sehr er auch rackerte und kämpfte, Edgars technische Überlegenheit war einfach zu gross und ihm gelang die Revanche für seinen Mannschaftskameraden Uwe.
Und Friedhelm Balke verfuhr mit Ali, der erheblich unter der drückend schwülen Außentemperatur litt auf die gleiche unkameradschaftliche Art und Weise. Wenigstens gelangen Ali zwei Spielgewinne, was sich positiv auf seinen Frustlevel und den Inhalt seines Geldbeutels auswirkte.
1:5 lautete der aussichtslose Zwischenstand aus Lichtenauer Sicht. Es ging nur noch um die Ehre.
Diese zu verteidigen schickten sich drei unerschrockene Doppelpaare an. Dieter und Ali waren dabei die „Bauernopfer“, den aus taktischem Kalkül mussten sie das Zweier spielen. Friedhelm Balke und Gerhard Dressel war dabei die Lichtenauer Ehre Piepegal. Mitleidlos, kalt bis ins Mark und ohne einen Funken von Empathie schickten sie die beiden mit der Brille nach kurzer Zeit vom Platz. Die hängenden Schultern und die glanzlosen Augen seiner beiden Teamkameraden ließen sogar das Herz des sonst als gnadenlos geltenden Mannschaftsführers Thomas erweichen. Ungewohnt altersmild erließ er Ali und Dieter die an sich fällige Strafzahlung, da beide im Sinne des Teams körperliche Gebrechen (Alis Knie) und derzeit nur bedingt vorhandene Performance (Dieter) ignorierten und sich heldenhaft in ihr von vornherein feststehendes Schicksal fügten. Männer, das ist grosser Mannschaftsgeist, den ich an dieser Stelle ausdrücklich honorieren möchte.
Für Thomas und Radi ging zunächst alles glatt. Bei 5:0 ein kleiner Ausrutscher, Ehrenpunkt für Uwe und Robert und dann das 6:1. Von einer Minute auf die andere wendete sich das Blatt. Die Ochenbrucker wurden immer stärker und selbstbewusster und errangen ganz langsam die Oberhand. Dann begingen sie den entscheidenden Fehler. Wahrscheinlich in Unkenntnis der Tatsache, dass Thomas und Radi Sätze in denen sie 1:3 zurückliegen mit 99,9 % iger Wahrscheinlichkeit gewinnen spielten sie munter drauflos. Beim 4:4 kulminierte das Match zum Höhepunkt. Thomas und Robert beharkten sich mit langen Crossstafetten ehe der Lichtenauer im rechten Moment mit einem präzisen Netzroller den Breakball vorbereitete, den Robert ebenso präzise ins Netz jagte. Dann Returnfehler Ochenbruck, ein Aufschlag von Thomas der vom Band wegsprang, ein mit Übersicht gespielter Netzball Radis und zum krönenden Abschluss nochmal ein Passierball von Thomas aufs Band. Und schon war es mit der Ochenbrucker Pracht vorbei. Alle 4 Kontrahenten waren sich aber einig. Das war ein tolles Doppel.
Das kleine Glück für Lichtenau machten dann auf unserem Lieblingsplatz in Ochenbruck, auf dem wir noch nie ein Match verloren haben, Leo und Eddi perfekt. Sie behielten nach verlorenen zweiten Satz die Nerven und auch der einsetzende Regen beeindruckte sie nicht. Mal bereitete Eddi clever vor und Leo vollstreckte, dann das Gleiche umgekehrt. Wie Eichhörnchen hamsterten sie Punkt für Punkt. Ein fulminanter Smash von Eddi brachte den Matchball, den Gert Schlotter nach vorher zwei gelungenen Passierbällen um Haaresbreite zum Glück für Lichtenau versiebte.

Alles in allem war es ein wunderschöner Sportnachmittag im Kreis von ganz lieben Gastgebern, die uns rührend umsorgten. Beim abschliessenden Essen mit Riesenportionen schmackhafter Gerichte wurde geflachst, was das Zeug hielt. Haus- und Hoffotograf Ali, dessen voyeuristische Schnappschüsse schnell die Handyrunde machten (siehe Bilder) erschlich sich auf diese Weise die Handynummer von Helmuts Frau und als Höhepunkt der Ausgelassenheit hielten die beiden Mannschaftsführer eine Schlussrede im Duett. Beide trugen unter dem Gejohle der beiden Teams ziemlich dick auf (ich kann nichts dafür, Helmut hat angefangen) und in der Hoffnung sich wieder einmal zu begegnen ging die Teams als Freunde auseinander.
Genau so und nicht anders stellt man sich Altherrentennis vor

Die Ergebnisse:

Einzel:

Danner-Altrock 0:6/0:6
Enser-Meier 6:3/6:4
Balk-Ahmadpur 6:0/6:2
Chomatas-Blach 7:5/6:2
Heinen-Mohr 6:0/6:0
Schneider-Fersterra 4:6/7:6/10:5


Doppel:

Chomatas/Danner-Altrock/Blach 1:6/4:6
Balk/Dressel-Ahmadpur/Mohr 6:0/6:0
Schlotter/Schneider-Heyder/Meier 6:7/6:2/8:10

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Die Bilder zeigen von oben nach unten:

Mannschaftsführer Thomas mit Matjessosse im rechten Mundwinkel

Die glorreichen Sieger des Einserdoppels

Das tapfere Team aus Lichtenau--Ali ist der Fotograf, das Selfie war Qualitativ zu schlecht fürs Netz

Edgar Heinen, den Schirmherrn der Veranstaltung. Die Handynummer der Dame rechts kann bei Ali erfragt werden.